Sich verantwortungsvoll zu ernähren, wird für viele Menschen immer wichtiger. Wer sich heutzutage regional und nachhaltig ernähren will, der hat auch in der Region Göttingen viele Möglichkeiten.

Text: Kristin Schild | Foto: iStock

„Ich würde mich ja gerne nachhaltiger und regionaler ernähren, doch leider ziehen die Supermärkte da nicht mit …“ – ist das wirklich so? Nein, denn gerade rund um Göttingen, gibt es mittlerweile genug Möglichkeiten, sich mit frischen und regionalen Produkten einzudecken. Vom Wochenmarkt, über die Solidarische Landwirtschaft, bis hin zum Do-it-Yourself-Gärtnern – die Region hat sich längst an die veränderten Wünsche ihrer Bewohner angepasst.

 

Solidarische Landwirtschaft

So gründete sich vor einigen Jahren die Solidarische Landwirtschaft in Göttingen. Das Konzept an sich ist simpel; man braucht einen Bauernhof und mehrere Mitglieder, die den Hof finanziell unterstützen, im Gegenzug erhalten sie vor allem Obst und Gemüse aber auch tierische Produkte wie Eier, Honig oder Milch, die regional und nachhaltig erzeugt wurden. Eine echte Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Von den monatlichen Beiträgen der privaten Verbraucher werden zum Beispiel Saatgut, Futter oder landwirtschaftliche Geräte des Hofs finanziert. Dazu gehört aber auch, mit dem Risiko zu leben, dass eine Saison keine guten Erträge bringt. Nicht nur in Zeiten des Klimawandels gehören Ernteausfälle untrennbar zur Landwirtschaft.
Auch die Idee der Solidarischen Landwirtschaft ist an sich nicht neu. Sie entstand schon in den 1960er-Jahren in Japan in Form der ersten „Teikei“ (Partnerschaften). Heute beteiligen sich rund ein Viertel der japanischen Haushalte an diesen Partnerschaften – in Deutschland sind wir noch weit davon entfernt. Der erste Hof mit diesem Konzept entstand bei uns erst 1988 mit dem Buschberghof in Fuhlenhagen bei Hamburg. Heute gibt es deutschlandweit knapp 250 solcher „SoLaWis“.
In Südniedersachsen hat der Gärtnerhof Landolfshausen 2012 das Konzept in seinen Betrieb integriert. Rund 200 Privathaushalte aus Göttingen und Umgebung beteiligen sich derzeit an der Partnerschaft, alle Anteile sind damit bereits vergeben. Im Gegenzug beliefert der Hof ein bis zweimal in der Woche Gemüse und Obst an insgesamt zehn Abholstellen in Göttingen und Umgebung. Wer Lust hat, kann sich auch selbst bei der Gestaltung des Anbauplans beteiligen, bei Hofbesichtigungen mitmachen oder bei der Ernte oder dem Unkrautjäten mit anpacken. Die Bewirtschaftung erfolgt dabei rein ökologisch, so werden zum Beispiel statt Traktoren Ponys eingesetzt, die die Bodenbearbeitungen erledigen, der Mist kann gleichzeitig auch als Dünger eingesetzt werden. Diese bewusst ökologische Herangehensweise ist nicht nur den Hofinhabern, sondern auch den Mitgliedern der SoLaWi besonders wichtig.

 

Direktvermarktung im Trend

Aber nicht nur der Gärtnerhof in Landolfshausen, auch andere Höfe der Region haben sich im Laufe der Jahre neue Wege überlegt, ihre regionalen Produkte zu verkaufen. Eierautomaten am Straßenrand sind längst Normalität, ebenso wie Hofläden, die Erzeugnisse direkt von Verbraucher verkaufen. So handelt Diedrich’s Feinkost-Scheune in Duderstadt beispielsweise vor allem mit selbst angebautem Obst und Gemüse, frisch und saisonal, direkt vom Feld, und vermarktet dies auch über einen Online-Shop. Zu den bekannten Direktvermarktern der Region zählen auch der Brothof in Waake mit seiner beliebten Biobrotstube, oder der Naturmilchhof in Gartetal, der bereits 1994 auf eine ökologische Wirtschaftsweise setzte und ein Jahr später mit der Direktvermarktung von Molkereiprodukten wie Vorzugsmilch und Käse begann.
Klassische, traditionelle Direktvermarktung findet auf dem beliebten Göttinger Wochenmarkt statt, wo es neben frischen und regionalen Lebensmitteln wie Fleisch, Gemüse und Brot auch andere regionale Produkte, wie Kräuter, Blumen oder Öle zu kaufen gibt. An festen Wochentagen und unter freiem Himmel kommt hier nicht nur viel Stimmung auf, es zeigt sich ebenso, dass die Verbraucher es schon sehr lange zu schätzen wissen, ihre Nahrungsmittel direkt von einem Anbieter zu kaufen, dem sie vertrauen und oft persönlich kennen.
Einen weiteren Aspekt der Direktvermarktung bilden Bio-Lieferdienste wie zum Beispiel Lotta Karotta aus Rittmarshausen. Sie beliefern ihre Kunden mit frischen Bio-Produkten aus der Region und ersparen den Weg zum Supermarkt. Doch auch dort ist der Trend längst angekommen, wie sich an der zunehmenden Zahl von Teilbereichen mit ausschließlich regionalen Produkten zeigt. Ein anschauliches Beispiel findet sich etwa im REWE-Markt in Adelebsen mit dem Shopbereich der Marke „Kostbares Südniedersachsen“ des Erzeugerverbands Südniedersachsen.
Auch der Großhandel Naturkost Elkershausen ist der Idee einer regionalen und nachhaltigen Ernährung verpflichtet. Das Unternehmen beliefert die Bio-Läden der Region mit einem umfassenden Sortiment an Frische-, Molkerei-, und Trockenartikeln von ausgewählten Lieferanten und Erzeugern, und unterstützt so den Erhalt von ländlichen Strukturen und Arbeitsplätzen. Einen Überblick über alle Direktvermarkter der Region bietet die Website www.land-direkt.de.

 

Im Zeichen der Tiere

Neben Regionalität und Nachhaltigkeit ist auch die artgerechte Tierhaltung ein Thema, das sich mehr und mehr auf unsere Ernährung auswirkt. Nicht umsonst versuchen Supermarktketten gegenwärtig mit den sogenannten Haltungssiegeln ihren Kunden ein besseres Gewissen beim Fleischkauf zu suggerieren. Die Herkunftseinteilung in vier verschiedene Haltungs-Kategorien ist jedoch umstritten. Zum einen ist die Auswahl in den Supermärkten sehr begrenzt, so findet man in der Kühltheke kaum Fleisch, das die Kategorie zwei (Stallhaltung plus) übersteigt. Hinzu kommt, dass jede Supermarktkette ihr eigenes Label entwirft und es dem Kunden so schwerfällt, den Überblick zu behalten. Auf der sicheren Seite ist man hingegen, wenn man die Fleischprodukte direkt beim Bauern um die Ecke kauft. Borchardts Bauernladen bei Duderstadt bietet seinen Kunden beispielsweise an, einen Blick in die Ställe oder die Wursteküche zu werfen. Eine wirklich traditionelle Haltung von (Nutz-)Tieren findet man im schönen Solling. Im sogenannten Hutewald, einem Projekt der niedersächsischen Landesforsten, werden alte Tierarten wie Auerochsen und Exmoorponys ganz traditionell mitten im Wald auf offenen Weideflächen gehalten, und das Fleisch der Auerochsen findet sich auf den Speisekarten regionaler Restaurants.
Neben klassischen Fleischlieferanten, wie Rindern oder Schweinen, hat der Verbraucher auch sein Herz für die Biene entdeckt und das DIY-Imkern ist beliebt wie selten zuvor. Denn auch Honig aus der Stadt ist so gut wie der Honig vom Land und kann im Geschmack sogar noch vielfältiger sein. Imkervereine bieten Kurse an und informieren Neulinge über die Haltung und den Umgang mit den nützlichen Insekten.

 

Do it Yourself

Doch nicht nur der DIY-Honig wird immer beliebter, auch das Gärtnern verliert sein angestaubtes Image. Frischer und regionaler als aus dem eigenen Anbau geht es nicht, und das sehen mittlerweile auch immer mehr junge Menschen so. Laut einer Studie greift jeder dritte Deutsche regelmäßig zu Spaten, Hacke und Co. Voraussetzung dafür ist natürlich der Platz für einen eigenen Garten. In der Stadt kann das zum Problem werden, doch nicht umsonst steigt die Nachfrage nach Plätzen in Kleingartenvereinen. Wer dafür kein Geld hat oder die Schrebergärtensiedlungen scheut, der kann sich auch in Göttingen an „Urban Gardening“ Projekten beteiligen. Hier werden brachliegende Räume in der Stadt genutzt, um dort Blumen oder Gemüse zu pflanzen. Entstanden ist diese Idee den 1970er-Jahren in New York, als man sie noch „Community Gardens“ nannte und sie dazu dienten, die Lebensbedingungen der verlassenen Stadtviertel zu verbessern. Seit den 1990er-Jahren breitet sich das Urban Gardening auch in Deutschland stetig aus. In Göttingen finden sich Projekte im Albani-Viertel und bei der Marienkirche. Eine weitaus größere Anbaufläche bietet jedoch das Areal des PermaKulturRaums im Göttinger Norden. Hierbei handelt es sich um einen studentischen Experimentierraum der Universität Göttingen. Studierende sammeln hier Erfahrungen in Planung und Gestaltung eines Ortes nach Permakultur-Prinzipien. Permakultur ist ein Konzept, das auf die Schaffung von nachhaltiger und naturnaher Landwirtschaft abzielt. An dem Projekt in Göttingen arbeiten verschiedene Gruppen, so gibt es beispielsweise eine Kerngruppe, die stets die gesamte Fläche im Blick hat und viel Zeit mit den Projekt verbringt, und eine Gemüsegartengruppe, die sich vornehmlich um die Gemüsebeete kümmert. Auch für Forschungsprojekte bietet der PermaKulturRaum eine Menge Möglichkeiten. Mehr Infos zu dem Projekt gibt es auf permakulturraum.de.

Wer sich also regional und nachhaltig ernähren möchte, dem bieten sich auch in Göttingen viele unterschiedliche Möglichkeiten, diesen Anspruch umzusetzen, stets so, wie es in das eigene Leben passt.

 

Saisonal im Frühling:

Wer hätte das gedacht? Im Frühling ist der Bestand an frischen Gemüsesorten sogar am geringsten. Die Vorräte aus dem Lager neigen sich dem Ende zu und erst in der Mitte des Frühlings beginnt die neue Erntezeit. Aber es gibt natürlich ein paar Ausnahmen, so startet im Mai nicht nur die Spargelsaison, auch Rhabarber und Rucola kann man im Frühjahr frisch kaufen.

Saisonal im Sommer:

Der Sommer bietet in unserer Region die größte Auswahl an saisonalem Gemüse, so können wir uns in den warmen Monaten auf die ganzen Beeren-Arten freuen. Auch Kirschen und Pflaumen wachsen zwischen Juni und Oktober in Südniedersachsen. Was das Gemüse betrifft, stehen vor allem Gurke, Tomate und Zucchini ganz oben auf dem Anbauplan.

Saisonal im Herbst:

Der Herbst steht vor allem im Zeichen des Kürbis´. Dazu kommen Gemüsearten wie Sellerie, Meerrettich und Mais. Was Obst betrifft, stehen natürlich Äpfel und Birnen ganz oben auf der Einkaufsliste.

Saisonal im Winter:

Im Winter ist vor allem der Grünkohl ein beliebtes Gericht. Aber auch andere Kohlarten, wie Weißkohl und Rosenkohl haben in den kalten Monaten Hochzeit, außerdem gehören Rübenarten wie Steckrübe und Petersilienwurzel zum Wintergemüse.

 

Links zum Thema:

Solidarische Landwirtschaft Götttingen
www.solawi-goettingen.de
Brothof Waake
www.brothof-waake.de
Naturmilchhof Gartetal
www.naturmilchhof.de
Lotta Karotta
www.lotta-karotta.de
Wochenmarkt Göttingen
www.wochenmarkt-goettingen.de
Naturkost Elkershausen
www.naturkost-elkershausen.de
Borchardts Bauernladen
www.borchardtsbauernladen.de
Landesforsten Niedersachsen
www.landesforsten.de
PermaKulturRaum
www.permakulturraum.de
Feinkost-Scheune
www.feinkost-scheune.de
www.gemüse-garten-diedrich.de

Mehr zum Urban Gardening in Göttingen
marienkirche-goettingen.wir-e.de/urban-gardening