„2B Studio – „the place to be“ – diese Idee treibt DJ ZDeE und DJ Cashesclay vom 2B Studio auf dem Holtenser Berg an. Sie produzieren, mixen und erfreuen eine wachsende Zahl von Fans mit ihrem wöchentlichem FB-Live-Stream „Wicked Wednesday“. T+F war zu Besuch bei den beiden Homies, denen das DJing unverkennbar durch die Adern pulst.

Text: Ulrich Drees | Foto: 2B Studio

 

Irgendwie passt es, dass ein Abstecher in Göttingens heißestes Black-Music-Powerhouse auf den Holtenser Berg führt. Das Quartier hat in der Realität zwar nicht mehr viel mit der Getto-Romantik zu tun, die es vor Jahrzehnten noch versprühte, aber die Hochhaussiedlung am Rande Göttingens bietet trotzdem den passenden Hintergrund für das umtriebige Studio, das DJ Cashesclay, DJ ZDeE und sein Bruder Joker Boss dort in einem schneidigen Reihenhaus aufgebaut haben. Mehr als 3100 Abonnenten haben sich die beiden zusammen mit ihren oft internationalen Gästen im Laufe der letzten Monate aufbauen können. Doch wer steckt hinter den DJ-Namen?

DJ Cashesclay heißt Öktem Yildiz und ist gebürtiger Göttinger. Der 39-Jährige kam schon als kleiner Junge mit Hiphop in Berührung, als mit seinen Freunden MC Hammer oder Vanilla Ice und den New Jack Swing nachtanzte und sich dann dem Breakdance zuwandte. Öktem und seine Crew zogen jahrelang erfolgreich über Wettbewerbe in Deutschland, der Schweiz und Österreich, bis die Jungs langsam in das Alter kamen, wo Freundin und Ausbildung wichtiger wurden. Öktem blieb dem Hiphop verbunden und wechselte vom Breakdance zum DJing.

„Ein Kumpel aus Hannover, den ich vom Tanzen kannte, hatte mit dem Auflegen begonnen“, erinnert er sich. „Ich hab es probiert und fand es sofort cool. Damals gab es hier auf dem Holtenser Berg einen DJ; von dem hab ich mir zwei Plattenspieler geliehen und mir eine Platte zum Scratchen gekauft. „Wir haben dann die legendäre HR3-Clubnacht aufgenommen, uns die Titel gekauft und probiert, die Übergänge genauso hinzubekommen wie die DJs im Radio.“ Spätestens da war Öktem dem Turntablism verfallen und begann, sich als DJ Cashesclay zu entwickeln. Als er dann Kid Fresh kennenlernte, einen sehr erfolgreichen, internationalen DJ und mehrfachen Weltmeister aus Göttingen, konnte er seine Technik mit dessen Hilfe perfektionieren. Nächtelang trainierte Öktem dann, während seine Kumpel am Wochenende durch die Clubs zogen, und seine Beharrlichkeit zahlte sich aus.

Irgendwann begann er, auf kleinen Partys aufzulegen, bis ihn ein guter Freund ins Vorprogramm der Gast-DJs der „JAM FM“-Partys in der Göttinger Diskothek Outpost brachte. So konnte Cashesclay bekannten DJ-Größen wie Chilly T oder DJ Membrain über die Schulter sehen, während sie ihr Programm spielten, und sich weitere Skills aneignen. Als Cashesclay schließlich MC EVL aus Virginia kennenlernte, der als Soldat in Frankfurt stationiert war, stieg er endgültig in das professionelle DJing ein. Ein MC ist für einen DJ so etwas wie der Sidekick für einen Superhelden – er lässt ihn glänzen und hostet ihn in den Clubs. Zusammen tourten die beiden von 2004 bis 2009 durch Deutschland und legten bei Auftritten von Stars wie Jay-Z, Akon, Kay One, KC Rebell oder Kollegah auf, am Ende veröffentlichten sie bei Sony Music ein eigenes Album. 2009 nahm Fatman Scoop Cashesclay unter Vertrag und veröffentlichte einen Remix des Rappers Young Dee-Hits „Electro Inferno“ auf seinem Label AV8 Records. Noch heute wird Cashesclay regelmäßig von Universal Music Group Germany für die offiziellen Release-Partys großer Acts wie Eminem, Snoop Dog, Jay-Z oder Destiny’s Child gebucht. Für seinen Kumpel DJ ZDeE steht fest: „Cashesclay ist echt eine Maschine an den Turntables.“

DJ ZDeE – Zied Ben Jannet – stammt aus Tunesien, wo er mit sechzehn seine Leidenschaft für das Auflegen entdeckte. Seinen ersten Auftritt als DJ in einem Club hatte er dann mit achtzehn. Damals arbeitete er in seiner Heimat als Animateur in großen Hotels und hatte längst entdeckt, wie man Menschen dazu bringt, sich auf eine richtig gute Party einzulassen. „Ich kann mich noch genau an das Gefühl erinnern“, meint der 37-Jährige heute. „Das war im Samira Club, wo ich dem Main-DJ assistierte. Auf einmal meint er: Sisu – so wurde ich damals genannt – übernimm mal kurz. Er war nur eine Viertelstunde weg, aber die kam mir vor wie ein halbes Jahr. Aber ich hab einfach die Musik aufgelegt, die ich mochte, und hab gemerkt, dass die Leute darauf feierten. Dieses Gefühl, Leute zum Tanzen zu bringen, hat mich da gepackt und nie wieder losgelassen.“

Als er im Jahr 2004 mit zwanzig nach Deutschland kam, war jedoch erst einmal kein Platz mehr für die Musik. „Ich musste mich erst einmal hier zurechtfinden“, beschreibt Zied, „eine Ausbildung machen und meine berufliche Laufbahn auf den Weg bringen.“ Erst 2008 – inzwischen Marktleiter bei einer Supermarktkette – kehrte Zied zur Musik zurück und begann, in dem Studio, das er sich in seinem Zuhause einzurichten begann, eigene Beats zu produzieren. „Es ging mir vor allem darum, mich nach Feierabend zu entspannen“, erklärt er. Und so mixte er Acapellas von bekannten Stücken auf seine Beats, machte Mashups und entwickelte Material, das er später auch für eigene Partys einsetzen konnte. Schon 2010 begann er, auch wieder aufzulegen, nachdem ihm ein Freund angeboten hatte, im Kellerclub „Blue Note“ am Wilhelmsplatz Musik zu machen. Damals lernte DJ ZDeE einen Salsa-Lehrer kennen, der im Blue Note arbeitete und ihm seine Musik – Salsa Cubana, Mambo, Bachata, Kizomba – zeigte. Zied lernte die Qualitäten des Latin Pop kennen und schätzen. „Ich hab mich da richtig reingefühlt“, erinnert er sich. „Das lag auch daran, dass die Black-Music-Szene mich in dem Moment nicht mehr so reizte. So hat sich Latin zu einem meiner Lieblingsstyles entwickelt.“

Bis sich DJ Cashesclay und DJ ZDeE 2013 endlich kennenlernten, wussten beide – obwohl schon lange in Göttingen beheimatet – nichts voneinander. Ein DJ-Kollege aus Koblenz, der in Göttingen Partys veranstaltete, buchte sie jedoch gemeinsam: Und schon bei ihrem ersten Zusammentreffen stimmte die Chemie auf Anhieb, man tauschte Musik aus und freundete sich an. „Irgendwann“, erinnert sich Öktem, „sagte Zied dann: Hey, was hältst du davon, wenn wir mal so einen Live-Stream machen? Ich war da erst unsicher, was die Vorbereitung anging, aber er meinte nur: Lass uns das mal machen.“

Der Dritte im Bunde bei 2B Studio ist Zieds Bruder Sofien Ben Jannet aka Joker Boss – ein 30 Jahre alter tunesischer Rapper, der in der Underground-Hiphop-Szene seiner Heimat bereits etliche Hits landen konnte und dort ähnlich Respekt genießt, wie Cro oder Sido in Deutschland. Wegen seiner aggressiven und ehrlichen Texte wurde der Rapper in Tunesien bald politisch verfolgt und ging 2014 zu seinem Bruder nach Deutschland, wo er sich zusammen mit seinem Bruder, DJ ZDeE, und DJ Cashesclay daranmachte, das 2B Studio aufzubauen. Neben diversen Videoclipdrehs produziert Joker Boss weiterhin zahlreiche Beats für Künstler in der europäischen und arabischen Welt.

Das prägnanteste Aushängeschild von 2B Studio ist der wöchentliche Live-Stream „The Wicked Wednesday Mixshow“, den immer mittwochs zwischen 19 und 21 Uhr über Facebook zu sehen ist. „Der hat sich wirklich entwickelt“, freut sich Zied. „Anfangs hatten wir nur 20 bis 30 Zuschauer, da haben wir uns schon gefreut, wenn es mal 40 waren, jetzt sind schon ab und zu an die 200 Leute live dabei, und alles in allem haben wir bisher mehr als 600 000 Aufrufe gehabt und erzielen immer zwischen 60 000 und 100 000 erreichte Personen. Und nicht nur, was die Zuschauerzahlen angeht, kann die „The Wicked Wednesday Mixshow“ glänzen – regelmäßig holen DJ ZDeE und DJ Cashesclay auch namhafte nationale und internationale Gäste nach Göttingen. Neben DJ-Legenden wie dem sechsfachen Weltmeister DJ Rafik, Chilly T, DJ Membrain, DJ Climex oder DJ Illmatic Mike aus Mannheim waren etwa auch das R&B Duo The Product G&B zu Besuch.

Immer wieder sind die drei vom 2B Studio, dessen technische Ausstattung dank Zieds Vorkenntnissen – er studierte in seiner Heimat Informatik und Technik, bevor er nach Deutschland kam – stets auf dem neuesten Stand ist, mit ihren selbst gemachten Beats und Remixes auch an Produktionen für nationale und internationale Künstler beteiligt.

Man spürt deutlich, dass sich hier Brüder im Geiste gefunden haben, deren Zusammenarbeit längst nicht auf das 2B Studio beschränkt ist. DJ ZDeE und DJ Cashesclay ergänzen sich auch, wenn sie beispielsweise gemeinsam auflegen. Denn natürlich kann man die beiden DJs auch buchen, ob für Partys oder Clubs, aber auch für Hochzeiten oder Firmenfeiern und andere Anlässe. „Ich übernehme dann die Bereiche Latin Pop, Bachata, Reggaeton, während er eher Black Musik, Old School und New School Hiphop auflegt. Bei dieser Mischung ist dann für jeden was dabei, sodass wir unser Publikum wirklich unterhalten können.“

Beiden ist bei Auftritten anzumerken, wer ihren individuellen Stil prägt. ZDeE ist beispielsweise ein Fan von DJ Jazzy Jeff – ja, der Kumpel vom Fresh Prince aka Will Smith –, dessen Transformer-Scratching Zied stark beeinflusst hat. „Der ist echt real geblieben“, kommentiert er. Auch Cashesclay schätzt mit DJ Spinbad einen Künstler, dessen Style davon lebt, dezent zu bleiben und sich auf die Musik selbst zu konzentrieren. „Außerdem sind seine Einflüsse sehr breit gefächert“, meint Öktem. „Der mischt auch Nirvana auf ein Acapella von Akon. Sowas mag ich.“
Auch für die Zukunft dürfte vom 2B Studio noch einiges zu erwarten sein. Cashesclay, ZDeE und Joker Boss bleiben auf jeden Fall am Start, und wie Öktem es beschreibt, „treten sich, wenn nötig, gegenseitig in den Hintern, um sich weiter konstant zu verbessern. Und wenn mal was Großes kommt, dann ist der andere automatisch mit dabei – denn wir gönnen uns wechselseitig echt von Herzen jeden Erfolg.“

 

Kontakt:

www.breakz.fm/2b-studio-goettingen-jeden-mittwoch-19-21-uhr

www.2bstudio.eu

www.djcashesclay.com

www.djzdee.de